DGB-Chefin warnt vor Konflikt um sichere Jobs in Sachsen-Anhalt

Anzeige

Von Keven Nau

Trotz Job wächst bei vielen die Unsicherheit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor wachsendem Druck in den Betrieben: Sichere Arbeit könnte im Wahljahr zum politischen Konfliktthema werden.

Job haben und sich trotzdem nicht sicher fühlen, für viele Beschäftigte in Sachsen-Anhalt ist das nach Einschätzung des DGB längst Realität. Vor dem Tag der Arbeit warnt Katrin Skirlo vor wachsendem Druck in den Betrieben. Im Wahljahr könnte das Thema auch politisch brisant werden.

„Klare Antwort: ja!“, sagt Katrin Skirlo auf die Frage, ob sich Beschäftigte mit ihren Interessen derzeit zu wenig im Mittelpunkt sehen.

Die DGB-Landeschefin verweist auf steigende Arbeitsbelastung, Kostendruck und wachsende Unsicherheit. Viele Beschäftigte erlebten, dass gute Arbeitsbedingungen oft hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen. Genau daran knüpfe auch das diesjährige 1.-Mai-Motto an: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“

Für die Gewerkschafterin steckt dahinter ein grundsätzlicher Konflikt: Wer trägt in Krisenzeiten die Lasten, Unternehmen oder Beschäftigte?

Offene Stellen gibt es, Sicherheit trotzdem nicht

Wie widersprüchlich die Lage ist, zeigt sich aus Sicht des DGB am Arbeitsmarkt. Einerseits suchen Unternehmen Personal, andererseits bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Im Februar 2026 lag sie in Sachsen-Anhalt bei 8,5 Prozent, gleichzeitig waren rund 18.000 Stellen offen.

Für die Arbeitnehmervertreterin zeigt sich darin ein tieferes Problem. Beschäftigung allein bedeute noch keine verlässliche Perspektive.

Ein Grund sei die geringe Tarifbindung. Nur 17 Prozent der Betriebe in Sachsen-Anhalt sind tarifgebunden, rund 48 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten unter Tarifvertrag.

„Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss gute Arbeit bieten“, sagt die Gewerkschafterin.

Gemeint seien nicht nur Löhne, sondern auch planbare Arbeitszeiten, Ausbildungsperspektiven und verlässliche Bedingungen. Gerade für junge Menschen spiele das eine zentrale Rolle.

Hinzu kommen aus Sicht des DGB strukturelle Probleme, von schwierigen Ausbildungsbedingungen bis zu schwachen Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum. In einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt könne daraus schnell ein Standortproblem werden.

„Sachsen-Anhalt steht vor einer Richtungsentscheidung“

Dass diese Fragen im Wahljahr an Gewicht gewinnen könnten, daran lässt die DGB-Landeschefin keinen Zweifel.

„Sachsen-Anhalt steht vor einer Richtungsentscheidung“, sagt sie.

Gemeint seien nicht nur sichere Arbeitsplätze, sondern auch soziale Stabilität und öffentliche Versorgung. Gerade in Wirtschaftsstandorten und strukturschwächeren Regionen sei die Frage nach verlässlichen Jobs für viele Menschen konkret.

Auch beim Strukturwandel warnt sie vor Fehlentwicklungen.

„Der Wandel darf nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg organisiert werden.“

Die Gewerkschafterin fordert Investitionen in Qualifizierung, Infrastruktur und Industriepolitik. Ohne soziale Absicherung und Mitbestimmung lasse sich Veränderung kaum vermitteln.

Gerade Regionen mit Industrie, Mittelstand und ländlichen Strukturen reagierten sensibel auf wirtschaftliche Umbrüche. Wenn Arbeitsplätze unter Druck geraten, betreffe das nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Regionen.

Wird sichere Arbeit zum Wahlkampfthema?

Mit der Kampagne „stabil für Sachsen-Anhalt“ verbindet der DGB klare Erwartungen an die Politik. Im Mittelpunkt stehen sichere Jobs, stabile Versorgung und bessere Bedingungen bei Bildung und Qualifizierung.

Dazu gehören aus Sicht des DGB mehr Tarifbindung, Investitionen in Kommunen, Gesundheitsversorgung, Nahverkehr und moderne Bildungseinrichtungen.

Damit verknüpfen die Gewerkschaften arbeitsmarktpolitische Forderungen ausdrücklich mit gesellschaftlicher Stabilität. Gerade vor der Landtagswahl könnte das zusätzlichen Druck erzeugen.

Ob sichere Arbeit im Wahlkampf tatsächlich stärker zum Konfliktthema wird, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Gewerkschaften wollen diese Fragen jedenfalls stärker in die politische Debatte tragen.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner