Nach Krawallen beim Ost-Derby in Magdeburg: Polizei-Gewerkschaft fordert Konsequenzen

Von Keven Nau

Nach Ausschreitungen rund um das Ost-Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und der SG Dynamo Dresden fordert die Gewerkschaft der Polizei Sachsen-Anhalt Konsequenzen. Anlass ist der Polizeieinsatz beim ausverkauften Spiel am Samstagabend, das von rund 28.000 Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgt wurde.

Nach Angaben der Polizei waren mehrere hundert Beamtinnen und Beamte aus verschiedenen Bundesländern sowie Kräfte der Bundespolizei im Einsatz, um die Partie abzusichern.

Pyrotechnik und Straftaten

Während des Spiels wurde in beiden Fanlagern mehrfach Pyrotechnik gezündet. In der Halbzeitpause kam es im Außenbereich des Stadions zu Ausschreitungen durch Anhänger des 1. FC Magdeburg gegenüber eingesetzten Polizeikräften. In diesem Zusammenhang leitete die Polizei zwei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs ein.

Darüber hinaus registrierten die Einsatzkräfte im Stadtgebiet von Magdeburg weitere Straftaten. Dazu zählen nach Polizeiangaben unter anderem eine räuberische Erpressung sowie mehrere Sachbeschädigungen.

Deutliche Kritik der Polizei-Gewerkschaft

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen-Anhalt zeigt sich angesichts der Vorfälle tief besorgt. Das Ost-Derby sei als sportliches Highlight geplant gewesen, sei jedoch erneut von Pyrotechnik, Ausschreitungen und Angriffen auf Einsatzkräfte überschattet worden.

„Fußball soll Menschen zusammenbringen – nicht Einsatzkräfte, Fans oder Unbeteiligte in Gefahr bringen“, betont die GdP Sachsen-Anhalt. Landesvorsitzende Nancy Emmel erklärte: „Wer Pyrotechnik in dicht gefüllten Blöcken zündet, Raketen und Böller in Menschenmengen wirft oder Polizeikräfte angreift, hat jedes Recht verwirkt, sich Fan zu nennen. Hier reden wir über Straftäter.“

Belastung für die Einsatzkräfte

Zugleich weist die Gewerkschaft auf die besondere Situation der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten hin. Diese stünden bei Hochrisikospielen buchstäblich zwischen allen Fronten und müssten sowohl friedliche Fans schützen als auch den Ablauf der Veranstaltung sichern.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen sind keine Statisten in einer Randale-Inszenierung, sondern Menschen, die ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen. Sie verdienen Respekt, Rückhalt und einen klaren Schutz durch Politik und Gesellschaft“, erklärte Emmel.

Forderungen an Vereine und Verbände

Nach Ansicht der GdP dürfe die Polizei nicht dauerhaft strukturelle Defizite im Sicherheitsmanagement der Fußballverbände ausgleichen. Auch Vereine, Verbände und Ligen müssten Verantwortung übernehmen und stärker in Prävention und Sicherheit investieren.

Dazu gehörten aus Sicht der Gewerkschaft belastbare Sicherheitskonzepte, ausreichend und gut geschultes Ordnungspersonal, klare Stadionordnungen, wirksame Stadionverbote gegen bekannte Gewalttäter sowie eine kontinuierliche Fan- und Sozialarbeit.

Rechtsstaatlicher Anspruch und Dialogbereitschaft

Zugleich bekennt sich die Gewerkschaft der Polizei ausdrücklich zu einem rechtsstaatlichen und verhältnismäßigen Polizeieinsatz. „Wir stehen für eine Polizei, die konsequent durchgreift, wo es notwendig ist, und sich zugleich jederzeit an Recht und Gesetz messen lässt“, heißt es in der Mitteilung. Vorwürfe unangemessenen polizeilichen Handelns müssten transparent und unabhängig geprüft werden.

Trotz der deutlichen Kritik setzt die Gewerkschaft auf den Dialog mit den vielen friedlichen Fans und Fanprojekten, die sich seit Jahren gegen Gewalt engagieren und für eine vielfältige Fankultur einsetzen.

Appell für sichere Stadien

Die Erwartung der Polizei-Gewerkschaft formuliert Nancy Emmel klar: „Wir wollen volle Stadien, leidenschaftliche Stimmung und emotionale Derbys – aber ohne brennende Fackeln in Menschenmengen, ohne Angriffe auf Einsatzkräfte und ohne verletzte Fans oder Unbeteiligte. Dafür brauchen wir ein gemeinsames, klares Nein zur Gewalt. Nur dann wird der Fußball wieder das, was er sein sollte: ein Fest, bei dem alle sicher nach Hause kommen.“

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner